vielsehen

09.03.2010: Trennungsschmerz

11. März 2010 | 18:12 Uhr

Melanie:
Heute Morgen schaute ich zum ersten Mal seit unserer Reise mit dem Wunsch aus dem Fenster, dass es in Strömen regnet und mir auf diese Weise der Abschied von diesem wunderbaren Land zumindest etwas erleichtert wird. Aber stattdessen zeigte sich Neuseeland von seiner besten Seite und ein strahlend blauer Himmel lachte mir frech ins Gesicht.

Neuseeland ist definitiv ein Land zum “dableiben wollen”, ein Land, in dem man einfach nicht anders kann, als sich Wohlzufühlen. Die Kombination von nahezu unberührter Natur, einem angenehmen Klima und unglaublich freundlichen Menschen hat mich vollkommen in seinen Bann gezogen. Ich verlasse Neuseeland nur unter Protest und mit dem festen Vorsatz, auf jeden Fall noch mal wieder zu kommen.

Vor meinem nächsten Neuseelandbesuch, werde ich jedoch eine Schuhsammlung initiieren, da es hier anscheinend einen Mangel an Schuhen gibt. Nur so kann ich mir erklären, dass der Neuseeländer an sich oft barfuß anzutreffen ist. Ob in der Fußgängerzone, in Supermärkten, an Tankstellen, in öffentlichen Toiletten (iiiiieeeeh) oder gar in Dixie-Klos (noch mehr iiiieeeeh), ein richtiger Kiwi kennt da keine Scheu und offensichtlich keinen Ekel.

Fabian:
Wenn es eine Schulklasse mit den Ländern dieser Erde geben würde, Neuseeland wäre der Streber und Klassenbeste. Ich habe mal irgendwo gelesen, Neuseeland sei wie ein komprimiertes Europa. Stimmt, nur setzt Neuseeland halt immer noch ein bisschen was oben drauf. Hügellandschaften haben wir in Deutschland auch, in Neuseeland steht im Hintergrund aber noch ein 2.000 Meter hoher Vulkan. Tolle Sandstrände gibt es rund ums Mittelmeer auch, in Neuseeland türmen sich direkt dahinter aber schneebedeckte Berge auf.

Ich glaube, wir haben in den Artikeln schon oft genug Superlative benutzt, um das Land zu beschreiben, so dass ich mir weitere Lobeshymnen hier spare. Schon lange stand Neuseeland ganz oben auf der Wunsch-Reiseliste und entsprechend lange hatte ich Zeit, mir tolle Bilder auszumalen bzw. diese in Reisemagazinen anzuschauen. Das Land hat meine Erwartungen aber absolut getroffen oder meist noch übertroffen. Also: Ich komme wieder!

Der Abschied fiel uns beiden wirklich schwer und die Aussicht auf die kommenden Stunden machte es nicht besser: Auckland – Sydney – Bangkok – Hanoi, das bedeutet viel im Flieger und auf Flughäfen sitzen. Unser Shuttle holte uns um halb zehn in Auckland ab, der Flug nach Sydney ging um kurz nach zwölf. Dort hatten wir ein bisschen Aufenthalt und flogen vier Stunden später weiter nach Bangkok. Dort kamen wir (Ortszeit Bangkok) um 22:30 Uhr an und unser Flug nach Hanoi ging erst morgens um 6:55 Uhr. Da es für uns nach neuseeländischer Zeit mittlerweile 04:30 Uhr war, waren wir entsprechend müde, denn die kleinen Nickerchen im Flieger reichten nicht wirklich aus. Also legten wir uns, nachdem wir unser Gepäck eingesammelt hatten, auf eine gepolsterte Bank und versuchten ein bisschen Schlaf nachzuholen. Um kurz nach drei (jetzt wieder Bangkok Zeit) brachen wir unser Nachtlager wieder ab, da Nacken und Rücken ernsthafte Bedenken an der Schlafposition anmeldeten und der Jetlag uns mitteilte, dass jetzt doch eigentlich längst Zeit zum Aufstehen sei. Also gab es erstmal einen großen Kaffee, um der Müdigkeit Herr zu werden. Anschließend mussten wir noch ein paar Stunden totschlagen und dann stiegen wir endlich ins Flugzeug nach Vietnam.

Kurz vor neun Uhr morgens betraten wir dann endlich vietnamesischen Boden, 30 Stunden nachdem wir unser Zimmer in Auckland verlassen hatten.

08.03.2010: Zeitraffer von oben

11. März 2010 | 18:11 Uhr

Der letzte Tag in Neuseeland. Wie unschön! Wir versüßten den Morgen noch einmal mit einem Frühstück in der High Street von Christchurch, bevor wir zurück zum Backpacker fuhren und in unseren Shuttle zum Flughafen stiegen.

Der Flug nach Auckland war dann wie ein Zeitraffer der vergangenen Wochen, denn wir sahen viele von uns besuchte Stätten nun von oben: die Alpen, Kaikoura, Motueka und Nelson, die Marlborough Sounds, Wellington, die Berge des Tongariro Nationalparks, Lake Taupo und einiges mehr. Dank des wolkenfreien Himmels bekamen wir so noch mal eine andere tolle Perspektive, so dass sich der Flug absolut lohnte.

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In Auckland angekommen ging es wieder in die City Garden Lodge, zumindest für Melanie. Denn ich ließ mich vom Shuttle direkt in der City absetzen, um kurz vor Ladenschluss noch mal in einen Sneakerladen zu gehen. Bei unserem ersten Aufenthalt in Auckland hatte man mir dort versichert die Nike Jordan 6 in Rot-Weiß jetzt im Sortiment zu haben. Da ich die Schuhe schon einmal 1992 in New York gekauft hatte und sie unbedingt noch einmal haben wollte, war ich entsprechend enttäuscht, als es die Schuhe nun doch nicht gab.

Die letzten Stunden im Land der langen weißen Wolke verbrachten wir im “Di Mare”, einem kleinen Fischrestaurant in Parnell, wo wir auf einem kleinen Innenhof unsere “Henkersmahlzeit” genossen.

07.03.2010: Auch heute wieder Christchurch

11. März 2010 | 18:05 Uhr

Heute galt es, den Rest von Christchurch zu erkunden. Da wir Städte am liebsten zu Fuß erkunden, stärkten wir uns zunächst mit einem ausgiebigen Frühstück. Während Fabian ganz nach Landessitte Toast mit Bacon und Eiern bestellte, hatte ich in Neuseeland Eggs Benedict für mich entdeckt. Dabei handelt es sich um ein amerikanisches Frühstück, das aus pochierten Eiern auf einer Scheibe getoastetem Weißbrot, wahlweise mit gekochtem Schinken, Bacon oder Lachs (von mir bevorzugt) und Sauce Hollandaise (vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, dafür aber sehr lecker) besteht.

Nach dem Frühstück bummelten wir durch die kleinen Geschäfte in der High Street, deren Auswahl uns zu dem ein oder anderen Kauf verleitete. Da nun auch der Konsumhunger gestillt war, spazierten wir weiter zum botanischen Garten der insbesondere an schönen Sonnentagen wie heute dazu einlädt, einfach nur die Seele baumeln zu lassen…und das machten wir dann auch.

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Für den Abend stand ein Kinobesuch auf dem Programm. Während unserer nachmittäglichen Stadterkundung hatten wir ein kleines Kino entdeckt, in dem die Verfilmung von Stieg Larsons “Verblendung” gezeigt wurde. Der Kinosaal bestand aus 3 Reihen mit jeweils 5 Sitzen und vermittelte eher das Gefühl eines gemütlichen Fernsehabends. Uns war allerdings entgangen, dass das Kino den Film in der Originalversion zeigt und so hatten wir das Vergnügen, einen schwedischen Film mit englischen Untertiteln ansehen zu dürfen. Das Ganze war am Anfang vielleicht etwas mühsam, wir gewöhnten uns aber schnell daran und konnten den Film dann doch genießen.

06.03.2010: Christchurch

11. März 2010 | 17:57 Uhr

Der Tag begann, wie er gestern geendet hatte: mit Sachen packen. Da wir den Großteil aber bereits gestern erledigt hatten, gab es nicht mehr ganz so viel zu tun und wir konnten uns auf den Weg machen.
Zunächst fuhren wir noch einmal zum Sternenobservatorium auf den Mount John. Nur wenige Wolken waren am Himmel und so hatten wir die Hoffnung heute die schneebedeckten Alpen in ihrer vollen Pracht bestaunen zu können. Oben angekommen bot sich uns, wieg bereits gestern, zwar ein fantastischer Blick auf den See und das meiste der ihn umgebenden Szenerie. Aber leider hatten sich die einzigen Wolken weit und breit ausgerechnet in den Gipfeln der Alpen verfangen und versperrten uns eine ungestörte Sicht. Auf das perfekte Foto mussten wir daher verzichten.

Bevor wir uns auf den Weg nach Christchurch machten, statteten wir noch der einzigen Sehenswürdigkeit des Ortes Lake Tekapo einen Besuch ab, der Church of the Good Shepherd. Es handelt sich dabei um eine süße kleine Steinkirche, die 1935 zum Gedenken an die Pioniere auf einem erhöhten Fundament mit Blick auf den See errichtet wurde.

Eher belustigt fuhren wir an dem Denkmal “Collie Dog Monument” vorbei, an dem eine Busladung japanischer Touristen ehrfürchtig eine Bronzestatue eines Hundes betrachteten, die von den Schaffarmern als Zeichen ihres Respekts für die Hütehunde errichtet wurde.

Wir genossen zum letzten Mal die Fahrt durch die wunderschöne Landschaft der Südinsel Neuseelands und erreichten Christchurch am frühen Nachmittag. Unser erstes Ziel war der Flughafen, da wir dort unseren Camper abgeben mussten. Ich trennte mich nur sehr widerwillig von ihm, da mit der Abgabe nicht nur das Ende unserer Neuseelandreise, sondern auch das Ende des bequemen und unkomplizierten Reisens eingeläutet wurde. Auf einer Strecke von insgesamt 5.354 km war uns der tapfere Jucy Cruiza ein treuer Begleiter, der sich zu keinerlei technischen Zickereien hinreißen ließ.

Mit dem Shuttle Service ging es dann zu unserem Hostel, dem Old Countryhouse, einem reizend restaurierten Vorstadthaus. Wir luden nur schnell unsere Rucksäcke ab und machten uns dann zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt.

Am Cathedral Square, in deren Mitte die Silhouette von Christchurch beherrschende anglikanische Kathedrale steht, genossen wir bei einem Kaffee die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Unterhalten wurden wir dabei zum einen vom Wizard, einem einheimischen Exzentriker, der den Passanten schon seit einem Vierteljahrhundert seine konfusen Tiraden predigt und zum anderen einem Junggesellen der mit einem Nachthemd und einem pinkfarbenen Schleier bekleidet Mitleid erregend auf einer Gitarre spielte, nicht viel besser sang und dafür einen bestimmten Geldbetrag von den Passanten zusammensammeln musste.

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Anschließend gingen wir zum Victoria Square, wo zum Abschluss des chinesischen Neujahrsfests das Festival der Laternen stattfand. Der gesamte Park war mit Laternen in unterschiedlichen Farben und Formen geschmückt, auf einer großen Bühne fanden Darbietungen chinesischer Künstler statt und an diversen Verkaufständen konnte man Leckereien oder irgendwelchen Schnickschnack kaufen.

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Da es an den Essenständen jedoch nervig voll war, stillten wir unseren Hunger woanders, bevor es, diesmal mit dem Bus, zurück ins Hostel ging.

05.03.2010: Lake Tekapo

5. März 2010 | 12:36 Uhr

Den heutigen Tag kann man als ersten Tag der Rückreise in Neuseeland bezeichnen, denn in den kommenden zwei Tagen fahren wir bis nach Christchurch, von wo unser Flieger am Montag nach Auckland geht und wo unser Neuseelandabenteuer dann am Dienstag endet.

Wir hatten uns entschieden den Weg durch die zentrale Südinsel nach Christchurch zu nehmen und nicht entlang der Ostküste zu fahren. Die Strecke mitten durch die Insel klang einfach spektakulärer…und das war sie dann auch.

Nach einigen eher unspektakulären Kilometern im Regen, die bis auf eine Schafherde mitten auf der Straße wenig Ablenkung bot (wir sind mittlerweile einfach zu verwöhnt), kletterte die Straße hinauf zum Lindis Pass, von wo aus wir einen schönen Blick auf die Berge der südlichen Voralpen hatten. Aber das war nur die Vorspeise. Der Hauptgang folgte kurze Zeit später, als wir den Lake Pukaki erreichten, dessen nördliches Ende vom gewaltigen Bergmassiv der Alpen rund um den höchsten Berg Neuseelands, den Mount Cook, beherrscht wird. Was für ein Panorama: der blassblaue Lake Pukaki im Vordergrund, grüne Hügel und vereinzelte Wälder an den Rändern und im Hintergrund die schneebedeckten Bergriesen! Wenn jetzt noch weniger Wolken am Himmel gewesen wären und stattdessen ein bisschen Sonnenschein, wäre ich hier nie wieder weggefahren.

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Aber, dem Wetter sei dank, sind wir weitergefahren zum Lake Tekapo, sozusagen dem Nachtisch des heutigen Landschaftsmenüs. Und wie Nachtische nun mal so sind, süß und man will noch mehr, war auch der Lake Tekapo. Nachdem wir über eine kleine Bergkuppe gefahren waren, lag er plötzlich vor uns. In einem leuchtendem Türkiston, der von winzigen Felspartikeln im Gletscherwasser hervorgerufen wird, und der so manches Südseeparadies neidisch machen könnte. Dazu der Kontrast der gelben Grashügel an den Ufern und einiger hoher Berge am Horizont. Wir waren uns sofort einig, dass wir unsere Wahl für den letzten Tag Natur in Neuseeland kaum besser hätten treffen können.

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Nachdem wir einen Platz mit Seeblick für unseren Camper gesichert hatten, fuhren wir hoch zum Sternenobservatorium auf dem Mount John, besser gesagt zum angeschlossenen Café. Oben angekommen, bot sich uns ein noch fantastischerer Blick auf den See samt umgebender Szenerie. Von hier oben wirkte die Farbe des Sees noch einmal viel kräftiger, eigentlich schon unecht oder künstlich. Als wir die Aussicht und den Kaffee in uns aufgesogen hatten, fuhren wir zurück zu Caravanpark und begannen mit der unliebsamen Aufgabe des heutigen Tages: Sachen packen. Denn morgen gegen Mittag geben wir unser Gefährt in Christchurch ab…und das nur äußerst ungern!

02. – 04.03.2010: Otago Central Rail Trail

5. März 2010 | 12:33 Uhr

Um halb elf holten wir unsere Räder bei Altitude Adventures ab, gaben dafür unseren Rucksack für den Transport auf und machten uns auf zur ersten Etappe.

1. Etappe: Alexandra – Lauder, 36 km
Fabian:
Das Wetter zeigte sich heute früh von seiner schönen Seite. Beim Start in Alexandra hatten wir Sonnenschein, angenehme warme Temperaturen und so gut wie keinen Wind.

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Nach einigen Metern auf den Straßen von Alexandra fuhren auf den Rail Trail, der auf der alten Eisenbahnstrecke zwischen Clyde und Middlemarch verläuft und jetzt ein Schotterweg ausschließlich für Radfahrer ist. Wir fuhren entlang des Manuherikia Rivers, den wir einige Male auf schmalen Brücken überquerten. Der Weg führte anfangs fast eben und häufig schnurgerade durch das Tal und uns umgab die karge Schönheit der hiesigen Gras-Fels-Landschaft. Ab und zu durchquerten wir kleine Felsschluchten, bis wir schließlich nach Chatto Creek kamen, einer Mini-Ortschaft mit einer handvoll Häusern. Hinter der Siedlung wartete das schwerste Teilstück des heutigen Tages auf uns, der steilste Abschnitt des gesamten Trails. Jedoch machte uns die Steigung gar nicht so zu schaffen, da sie doch ziemlich moderat und gleichmäßig war. Vielmehr setzte uns der mittlerweile sehr starke Gegenwind zu, der durch die Ebene fegte. Und da weder Bäume noch Büsche den Weg abschirmten, traf er uns mit voller Härte. Also spielte ich den Edelhelfer und spannte mich vor meinen Teamkapitän Melanie, um ihr Windschatten zu geben. Gemeinsam überholten wir zahlreiche andere Radler, die mit den Bedingungen mehr zu kämpfen hatten.

Nach diesem kleinen Kraftakt machten wir dann erstmal eine Verpflegungspause im Muddy Creek Café in Omakau. Warmer Kaffe, ein Sandwich und eine Cola für den Zucker-Kick standen auf dem Speiseplan. Neben einem Regal mit alten Radios erfreute uns besonders die Speisekarte, auf der die Portionsgröße mit “Country Size” und “Town Size” bezeichnet wurden. Ein weiteres Indiz, dass wir uns hier auf dem Land befanden, war eine Zeitschrift mit dem Titel “Pig Hunters”, in der Männer mit frisch erlegten Wildschweinen auf dem Rücken für Fotos posierten (und meist noch ordentlich Blut auf der Jacke hatten).

Die letzten sieben Kilometer bis zum heutigen Etappenziel waren dann eigentlich nur noch eine Formsache, jedoch hatte Melanie plötzlich Krämpfe in den Oberschenkeln (nein, ich habe sie nicht über sie Strecke gescheucht – falls das jetzt jemand denken sollte :-) . Tapfer biss sie auf die Zähne und so erreichten wir unser Hotel nach kurzer Zeit.

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Lauder selbst besteht aus ungefähr sechs Häusern, unser Hotel hat vier Zimmer und neben dem Hotel gibt es noch einen sehr kleinen Laden (der allerdings geschlossen war), eine alte Schule, die als Bed & Breakfast dient und…äh ja, Wiesen, Bäume und eine Straße. Wir genossen die Abgeschiedenheit, gönnten uns eine Dusche und lümmelten den Rest des Tages im Hotel rum, bevor wir zum Abendessen ein dickes Steak aßen. Ein paar Drinks später gingen wir dann ins Bett.

2. Etappe: Lauder – Ranfurly, 48 km
Melanie:
Auch Radfahrer scheinen passionierte Frühaufsteher zu sein, denn als wir um kurz nach neun in den Frühstücksraum kamen, mussten wir feststellen, dass alle anderen bereits gefrühstückt hatten und bereits wieder im Sattel saßen. Wir ließen uns davon allerdings nicht aus der Ruhe bringen und genossen ein entspanntes Frühstück.

Um kurz nach zehn hieß es aber auch für uns: rauf auf den Sattel und los! Das “rauf auf den Sattel” war allerdings wesentlich leichter gesagt als getan. Während Fabian durch jahrelanges Rennradfahren an das schmale harte Etwas das als Sattel bezeichnet wird gewöhnt ist, sind die gestrigen 36 km an meinem Po nicht spurlos vorübergegangen. Um den Schmerz ein wenig zu lindern, versuchte ich, mich nicht mit meinem ganzen Gewicht auf den Sattel zu setzen, was jedoch sehr zu Lasten meiner Oberschenkelmuskulatur ging, die jetzt natürlich die Gewichtsverlagerung abfangen musste. Ich vermutete, dass ich diesem Verhalten auch meine Krämpfe am vorherigen Tag zu verdanken hatte. Jetzt hieß es also, Zähne zusammen beißen und mit dem ganzen Gewicht auf den Sattel setzen…und siehe da, nach ein paar Minuten resignierte der Po und gab sich seinem Schicksal hin.

Die ersten 35 km sollte es heute fast ausschließlich bergauf aufgehen, allerdings wiederum sehr gleichmäßig und moderat und durch eine wunderschöne Landschaft. Die Strecke führte uns zunächst über die Manuherikia Bridge und durch die wunderschöne und beeindruckende Poolburn Schlucht mit zwei langen Tunneln. Am Ende der Schlucht überquerten wir das 37 m hohe Poolburn Viaduct, um anschließend den atemberaubenden Ausblick ins Ida Valley genießen zu können.

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Nach ca. 23 km war es Zeit für die erste Pause und das süße Café von Hayes Engineering Works in Oturehua war genau der richtige Platz dafür. Auch andere Radler gönnten ihren müden Gliedern dort eine Ruhepause und die Art und Weise, wie eine Radlerin das Problem ihres unbequemen Sattels gelöst hatte, hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt. Sie hatte einfach einige Lagen Luftpolsterfolie um den Sattel gewickelt und mit Paketband festgeklebt. Ja, ja, wenn es um Bequemlichkeit geht, können auch Frauen ganz schön erfinderisch sein.

Die weitere Strecke, die zwei Mal den südlichen Wendekreis kreuzte, eröffnete uns traumhafte Aussichten auf die Hawkdun und Ida Ranges. Nach 12 km erreichten wir auf einer Höhe von 618 m den höchsten Punkt der Strecke und ein Schild offenbarte uns, dass es von nun an nur noch bergab gehen sollte. Juchu!

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In dem winzigen Örtchen Wedderburn legten wir eine weitere Pause ein. In dem dortigen Café, ein winziger aber liebevoll restaurierter und gestalteter roter Schuppen, gab es kein Personal. Stattdessen herrschte Selbstbedienung und was die Bezahlung anging, vertraute man auf die so genannte “Honesty Box”, in die man das Geld einwerfen sollte. Neben den üblichen Erfrischungen, konnte man dort auch Honig aus eigener Produktion erwerben und dem wirklich sehr verlockend aussehenden Thymian Honig konnten wir nicht widerstehen.

Die restlichen 13,5 km zum Etappenziel nach Ranfurly waren extrem spaßig. Es ging ausschließlich bergab und so sausten wir ins Tal hinab, ohne wirklich viel dafür tun zu müssen. Kurz vor dem Ziel wurde es jedoch wieder sehr windig. Der Wind war so stark, dass wir zwischenzeitlich das Gefühl hatten doch wieder bergauf zu fahren.

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In Ranfurly hatten wir uns zur Feier des Tages etwas Luxus in der Hawkdun Lodge gegönnt. Dort warteten ein tolle große Suite, ein schickes Badezimmer mit eigenem Whirlpool und ein riesiges bequemes Bett auf uns.

Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, durften wir und unsere müden Muskeln sich zunächst im Whirlpool erholen, bevor wir uns auf die Suche nach einem netten Restaurant machten, in dem wir meinen Geburtstag feiern wollten. Die Suche war schnell beendet und die Entscheidung fiel auch nicht schwer, da es in Ranfurly nur ein Restaurant gab. Es handelte sich dabei aber um ein sehr gemütliches Art deco Restaurant mit einer vielfältigen Auswahl und wirklich leckerem Essen, in dem wir einen tollen Abend verbrachten.

3. Etappe: Ranfurly – Middlemarch, 60 km
Fabian:
Oh, war das Bett bequem. Nach über 13 Wochen Campervan- und Backpacker-Betten, wollten wir heute Morgen nur sehr ungern aus den Federn springen. Da heute jedoch die längste Etappe auf uns wartete, die Sonnenstrahlen bereits durch die Vorhänge schienen und wir Hunger hatten, ging es dann doch recht zügig.

Als wir vor die Tür unserer Suite traten, fegte uns bereits ein kräftiger Wind um die Nase. Eigentlich sollte der doch erst ab Nachmittag unser Radfahrerleben schwerer machen. Naja, wir gingen erstmal frühstücken, machten anschließend unsere Räder fertig und…leider war der Wind immer noch da. Wir schwangen uns also auf unsere Velos und nahmen die letzten 60 Kilometer des Otago Central Rail Trails in Angriff. Zum Glück ging es heute fast nur noch bergab und der Wind wehte uns auch meist von schräg hinten um die Speichen.

Die ersten Kilometer fegten wir mit frischen Beinen nur so durch die Weidelandschaft dahin und genossen die warme Sonne in unseren Gesichtern. Einige Schafe standen an den Zäunen und feuerten uns mit ihrem Mähen an, als wir an ihnen vorüber fuhren. Wenn unser Blick über die Weite der Felder schweifte, wurde er stets wieder von den gelb leuchtenden Bergen am Horizont eingefangen.

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Auf die Weidelandschaft folgte ein kleiner felsiger Canyon, den wir für einige Kilometer durchfuhren. Die Tannen, die zwischen den Felswänden wachsen, verströmten einen herrlichen Duft, eine Mischung aus heimischem Nadelwald, Sauna-Aufguss und Weihnachtsbaum. Nach drei weiteren ehemaligen Bahnhofsstationen in Ortschaften, deren Einwohnerzahl im niedrigen einstelligen Bereich liegt, mehreren alten quietschenden Brücken und einem stockfinsteren Tunnel erreichten wir die nächste etwas größere Siedlung: Hyde. Eine Bank in der Sonne des Cafés im alten “Otago Central Hotel” lockte uns zu einer Pause mit Kaffee, Cola und Sandwich.

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Mit aufgeladenen Akkus begaben wir uns auf die zweite Hälfte des heutigen Tages, die leider schon recht schnell unangenehmer als der erste Teil wurde. Denn zum einen wehte der Wind nun immer mehr von vorne und zum anderen wurde der Untergrund immer unwegsamer. Als Asphalt-verwöhnter Rennradfahrer, setzte mir der teilweise sehr holperige Untergrund schon etwas zu und ließ uns zudem auch langsamer vorankommen.

Melanie:
Auch die Handgelenke und das ohnehin in Mitleidenschaft gezogene Hinterteil protestierten Lautstark gegen die ruckelige Holperpiste. Obwohl die Strecke eigentlich ein leichtes Gefälle hatte, mussten wir nun kräftig in die Pedale treten, um voran zu kommen. So konnten wir die uns umgebende Landschaft etwas weniger genießen, sondern mussten uns vorrangig auf das Rad fahren an sich konzentrieren. Da es sich bei der restlichen Strecke aber ohnehin um eine Fortführung der bisherigen handelte (tolle Weidelandschaft mit schicken Bergen im Hintergrund), nahmen wir es den Weg- und Wetterverhältnissen nicht allzu übel.

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Am frühen Nachmittag erreichten wir dann Middlemarch, das heutige Etappenziel und das Endziel der Tour d’Otago. Im kleinen und charmanten Kissing Gate Café warteten wir auf unseren Rücktransport nach Alexandra, von wo aus wir noch weiter nach Cromwell, einer kleinen Stadt am Lake Dunstan fuhren.

Als wir nach einer warmen Dusche, einem zünftigen Abendessen und einem gemütlichen DVD Abend die letzten Tage Revue passieren ließen, musste ich feststellen, dass ich nie gedacht hätte, dass mir Rad fahren so viel Spaß machen würde. Nächstes Jahr werde ich dann wohl mal die Tour de France mitfahren. :-)

Fabian:
Immer ruhig mit den jungen Pferden, liebe Gattin. Aber vielleicht fahren wir ja jetzt doch mal zusammen Rennrad…

01.03.2010: Alexandra

1. März 2010 | 11:06 Uhr

Da wir gestern bereits bis Alexandra gefahren waren, konnten wir den gesamten Tag in der kleinen Stadt in Central Otago verbringen. Entstanden während des Goldrausches 1862 hat die Stadt die glorreichen Tage schon länger hinter sich, ist aber immer noch ein nettes kleines Städtchen zum ausspannen und liegt inmitten der seltsam beeindruckenden Hügellandschaft von Central Otago.

Nach einem langsameren Start in den Tag als sonst üblich, fuhren wir zuerst zu einem kleinen Lookout oberhalb der Stadt und verschafften uns einen Überblick über die gesamte Gegend. Als wir die Autotür öffneten strömte ein intensiver Geruch nach Thymian herein, von dem der gesamte Berg bewachsen war. So hatte man eher das Gefühl in einer Küche zu stehen, als auf einem Berg.

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Anschließend fuhren wir noch ins 8 km benachbarte Clyde und schauten uns das kleine niedliche Städtchen an. Also eigentlich waren nur die paar historischen Gebäude im alten Stadtzentrum niedlich, so dass wir nach kurzer Zeit wieder zurück nach Alexandra fuhren und einige Zeit im Shaky Bridge Café verbrachten, dass unmittelbar an der Shaky Bridge liegt, einer alten Hängebrücke über den Manuherikia River.

Später auf dem Campingplatz brachten wir unser Tagebuch auf den neuesten Stand und schauten in die Reiseführer (seit einigen Tagen auch in die von Vietnam und Kambodscha). Vor dem Abendessen, heute frische Spaghetti mit Shrimps, Cocktailtomaten, Kräutern und Chili, packten wir noch unsere Sachen für die kommenden drei Tage. Denn morgen startet sie dann, unsere dreitägige Radtour auf dem Otago Central Rail Trail.

28.02.2010: Ein Tag (fast) zum Vergessen

1. März 2010 | 11:03 Uhr

Melanie:
An einen ruhigen Schlaf war in der vergangenen Nacht nicht zu denken. Mehrere Mal wachten wir auf, weil ein sehr starker Wind unseren Camper anständig durchschüttelte. Und dann bekam Fabian eine SMS von seiner Mutter, in der sie von dem Erdbeben in Chile berichtete und uns darüber informierte, dass man für Neuseelands Küsten eine Tsunamiwarnung ausgesprochen hatte.

Am morgen informierten wir uns im Internet dann erst einmal, wie die Lage nun ist und ob unser geplanter Ausflug zum Milford Sound überhaupt stattfinden kann. Die Recherche ergab, dass es Warnungen für die gesamte Ostküste aber auch für bestimmte Regionen der Westküste, unter anderem dem Milford Sound, gab. Als wir den Veranstalter der Bootstouren anriefen, teilte dieser uns aber mit, dass sämtliche Touren stattfinden und es keinen Anlass zur Besorgnis gäbe. Unser Ausflug konnte also stattfinden. So wie es aussah allerdings unter miesen Wetterbedingungen, da es inzwischen angefangen hatte zu regnen.

Nachdem wir gefrühstückt hatten, ging Fabian noch schnell in die Waschräume, während ich den Camper schon mal startklar machen wollte. Ich schloss die hinter Klappe, nachdem ich sie von innen verriegelt hatte und wollte die Schiebetür öffnen, um das Stromkabel zu verstauen, aber was war das…die Tür war bereits verriegelt…ebenso wie alle anderen Türen! Ich rannte zu den Waschräumen und begrüßte den nichts ahnenden Fabian mit den Worten “Sag jetzt bitte, dass du den Autoschlüssel in der Hosentasche hast!”. Hatte er aber leider nicht. Dafür hatte er ein mir bisher nicht bekanntes Talent, mit einem dünnen, am Ende gebogenen Eisenstab, den er durch eine kleine Lücke der Schiebefenster einführte, die verschlossene Schiebetür öffnen zu können.

Die Fahrt von Te Anau zum Milford Sound, die eigentlich als eine der schönsten Strecken der Welt gilt, verlor leider einen Großteil ihrer Attraktivität durch die dicken Wolken und den dichten Nebel, die unsere Sicht versperrten. Das, was wir von den massiven Felswänden des Eglinton Valley zu sehen bekamen, war aber dennoch ziemlich beeindrucken und ließ uns erahnen, was wir bei klarer Sicht geboten bekommen hätten. Etwas gruselig fand ich hingegen den Homer Tunnel, ein 1,2km langer schwarzer und stockfinsterer Tunnel, der durch die Rückwand des Hollyford Valley gegraben wurde und die einzige Verbindung zum Milford Sound darstellt.

Als wir den Milford Sound erreichten, hatte es sich so richtig eingeregnet und wir waren etwas skeptisch, ob eine Bootstour wirklich lohnenswert war. Wir wollten es aber dennoch wagen, da die Erkundung des Milford Sounds zu einer Neuseelandreise einfach dazugehört und wir darüber hinaus aufgrund eines besonderen Angebots unserer Camperagentur zwei Tickets zum Preis von einem bekommen würden.

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Im Nachhinein muss ich jedoch sagen, dass wir uns die Fahrt zum und auf dem Milford Sound hätten sparen können und das Ganze eher enttäuschend war. Zwar bekamen wir die sich dank des Regens schleierartig in den Fjord ergießenden Wasserfälle zu sehen, die den Sound so prägende Kulisse des vergletscherten Mitre Peak und der benachbarten Berge lag jedoch hinter einer dicken Nebelfront verborgen. Sehr viel nerviger waren allerdings die rücksichtslosen Touristen, die sich einem beinahe auf den Schoß setzten oder einem diverse Körperteile in den Rücken rammten, nur um ein Nebel verschleiertes Foto zu machen. Zu allem Überfluss wurden wir auch noch richtig nass, als das Boot in die Nähe eines Wasserfalls kam, so dass wir die letzten 30 Minuten mit nassen Hosen an Bord verbrachten.

Enttäuscht machten wir uns auf den Weg nach Alexandra, unserem heutigen Tagesendziel. Da ich, eingelullt von der warmen Heizungsluft und dem gleichmäßigen Brummen des Motors, fast die komplette Fahrt verschlief, muss Fabian die restliche Fahrt schildern.

Fabian:
Auch ich habe fast die komplette Fahrt verschlafen und kann daher nicht viel berichten. Quatsch, stimmt natürlich nicht, auch wenn ich ein oder zweimal anhalten musste und mich mit kurzen Leibesübungen vor dem Einschlafen abzuhalten.
Es stimmt jedoch, dass ich nicht so viel zu berichten habe. Die Landschaft war schön, jedoch bot sie für uns, ach nein mich, vorerst nichts Neues. Sanfte mit ausgetrocknetem Gras bewachsene und daher gelb leuchtende Hügel bestimmten weitgehend das Bild. Darauf natürlich die überall in Neuseeland anzutreffenden weißen Tupfer, die sich aus der Nähe in Schafe verwandeln.

Erst als wir von Gore aus bereits einige Kilometer Richtung Norden gefahren waren, veränderte sich die Landschaft langsam und ging in die felsigere Hügellandschaft von Central Otago über. Die Hügel waren nur durch flaches ausgetrocknetes Gras bedeckt und wirkten zusammen mit den schroffen, teils mit Flechten bewachsenen Felsen recht karg. Die Gegend erweckte den Eindruck, als ob sie von der Sonne ausgeblichen ist. Dennoch war der Anblick beeindruckend, wahrscheinlich weil er so speziell war.

Wir erreichten Alexandra, welches durch eine Felskulisse beherrscht wird, bezogen den Campingplatz und verbrachten einen ruhigen Abend mit einer DVD.

27.02.2010: Te Anau

1. März 2010 | 10:59 Uhr

Nach einem Frühstück in der Sonne im Café Halo begaben wir uns gegen Mittag auf die Fahrt nach Te Anau, von wo wir morgen weiter zum Milford Sound fahren wollen. Die Wettervorhersage in der Wochenendzeitung zeigte für Fiordland leider für die kommenden Tage die übliche graue Regenwolke, dennoch wollten wir uns davon nicht abschrecken lassen und dem berühmten Fjord unsere Aufwartung machen. Neuseeland ohne Milford Sound geht nämlich nicht.

So fuhren wir bei sonnigem Wetter in Queenstown los und erreichten Te Anau knapp zweieinhalb Stunden später. Während der Fahrt konnten wir wieder die mittlerweile üblichen Naturschauspiele Bergsee, Berge, sanfte Hügel und Steppe mit Tussockgras genießen. Zudem pfiff ein starker Wind durch die Ebene kurz vor Te Anau, der unseren Camper kräftig durchschüttelte und mich zu ständigen Gegenlenkbewegungen veranlasste. Kam der Wind von vorne, so konnte ich nicht mal mehr beschleunigen.

In Te Anau, welches am gleichnamigen See liegt, konnten wir den Spaziergang durch die winzige Innenstadt (alles entlang einer Hauptstraße) bei Sonnenschein genießen und verbrachten den restlichen Nachmittag in der Sonne, um Postkarten zu schreiben, Tagebuch zu führen und Wäsche zu waschen. Als die Sonne unterging zogen gleichzeitig leider auch die ersten dunklen Wolken auf und es wurde wieder sehr windig. Zwar nahm der Wind in den nächsten Stunden weiter zu, aber zumindest gab es bis wir um kurz nach Mitternacht ins Bett gingen keinen Regen.

24. – 26.02.2010: Routeburn Track

1. März 2010 | 10:58 Uhr

Die übliche morgendliche Wanderprozedur: Halb sieben aufstehen, letzte Sachen packen, 7:40 Uhr kommt der Bus. Auch heute war sie wieder genau so an der Reihe und auch heute freuten wir uns wieder auf die kommenden Tage. Der Routeburn Track, der ebenso wie der Abel Tasman Track zu den Great Walks von Neuseeland gehört und in seiner Berühmtheit nur vom nahe gelegenen Milford Track (viele sagen aber, der Routeburn ist dennoch der schönere Walk) übertroffen wird, sollte ein Highlight unserer gesamten Reise sein.

Das Wetter am morgen in Queenstown war entgegen der Vorhersage noch sehr schön, jedoch sahen wir nach den ersten Kilometern bereits die aufziehende Wolkenfront…und zwar genau über dem Routeburn Gebiet. Wir verschwendeten vorerst jedoch noch keine Gedanken an das Wetter, sondern genossen die tolle Busfahrt entlang des Lake Wakatipu mitsamt Blick auf die Schneebedeckten Bergspitzen der vor uns aufragenden Humboldt Mountains. Wir passierten den winzigen Ort Glenorchy, das letzte kleine bisschen Zivilisation für die kommenden drei Tage, und fuhren langsam ins Routeburn Tal hinein (für alle Herr der Ringe Fans: hier wurde Isengard gedreht) und erreichten schließlich die Routeburn Shelter (458 m), den Startpunkt unseres Abenteuers.

Tag 1: Routeburn Shelter – Routeburn Falls, 8,8 km
Fabian:
Auch auf dem Routeburn war der erste Tag wieder der leichteste von allen. Bei trockenem Wetter wanderten wir daher munter drauf los, passierten zu Beginn gleich eine der vielen, schwankenden Hängebrücken und tauchten kurze Zeit später in den Rotbuchenwald ein. Die Bäume und der Boden waren üppig von Farnen und vor allem viel Moos bewachsen. Der gut ausgebaute Weg führte hier und da mal leicht bergauf, mal leicht bergab und führte uns mehrere Mal über den herrlich klaren Routeburn River. Nach einer guten halben Stunde wurde der Weg zusehends steiniger, schmaler, steiler und somit auch schwerer…

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Melanie:
…und ich musste schnell feststellen, dass ich heute statt meiner bisher sich so tapfer bewährten Wanderwaden leider wehleidige Weicheierwaden im Gepäck hatte. Bereits nach den ersten Steigungen fühlten sich meine Waden an, als wäre ich mit ihnen bereits seit Stunden bergauf geklettert. Aber da unsere Wanderung gerade erst begonnen hatte, hieß es weiter wandern und Zähne zusammen beißen. Der schon fast surreale Wald war jedoch eine tolle Ablenkung und so konnte ich die nervenden Waden nahezu komplett ignorieren.

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Nachdem wir noch die ein oder andere abenteuerliche Hängebrücke überquert hatten erreichten wir die Routeburn Flats Hut, die erste der Übernachtungsmöglichkeiten auf 700 Höhenmetern. Hier legten wir allerdings nur eine kurze Zwischenpause ein, um kurz durchzuschnaufen und uns mit einem kleinen Frühstück für den Aufstieg zur Routeburn Falls Hut, unserem heutigen Tagesziel, zu stärken.

Fabian:
Bereits kurz bevor wir die Hütte erreichten, hatte es leicht angefangen zu regnen. Als wir den Anstieg zur Falls Hut in Angriff nahmen, hatte sich daran leider nichts geändert. Im Gegenteil, der Regen wurde immer stärker. Dementsprechend in unsere Regenjacken eingepackt erklommen wir Schritt für Schritt den Berg. Da der Weg nun fast ausschließlich aus Steinen und losem Geröll bestand, war dies jedoch sehr, sehr mühsam und die Nässe machte das Ganze dann noch etwas schwieriger.

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Wir erreichten den Emily Creek, ein ins Tal stürzender Fluss, der die Hälfte des Weges markierte…nein, doch nicht, es war leider nur ein anderer Fluss. Also weiter vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzen. Als wir ein großes Erdrutschfeld erreichten, war der Regen mittlerweile ein richtiger Wolkenbruch geworden und nur der Buchenwald schirmte uns ein wenig von den Wassermassen von oben ab. So konnten wir auch den Blick ins Routeburn Tal nur bedingt genießen bzw. sahen wir wetterbedingt ohnehin nur wenig. Natürlich hatten wir uns auf dieses Wetter eingestellt, denn die Region Fiordland ist die regenreichste Region der Erde, aber musste es gleich am ersten Tag so schütten?

Zum Glück nur leicht durchnässt erreichten wir schließlich die Routeburn Falls Hut auf 1.000 Metern. Wir waren über unsere Zeit erstaunt, denn wir waren mit unseren drei Stunden deutlich im unteren Bereich der vom DOC angegebenen Zeitspanne geblieben.

Melanie:
Die Routeburn Falls hat eigentlich einen einmaligen Blick auf das ausgedehnte Flusstal, der uns allerdings verwehrt wurde. Stattdessen blickten wir auf eine undurchdringliche Wolken- und Nebelwand, was uns ziemlich ärgerte.

Das Wetter verfluchend erkundeten wir die Hütte und stellten erfreut fest, dass sie im Gegensatz zu denen vom Abel Tasman Coast Track über Einzelbetten und solar betriebene Beleuchtung verfügte. Nur auf eine warme Dusche mussten wir auch hier verzichten bzw. gab es hier überhaupt gar keine Dusche. Zum eigenen Wohlbefinden, aber auch um die Nasen unserer Hütten-Mitbewohner zu schonen, schnappten wir uns Seife und Waschlappen, mit denen wir uns zumindest ein Mindestmaß an Körperhygiene durchführen konnten, um anschließend in warme und trockene Klamotten zu schlüpfen.

Es regnete, nein, es schüttete ununterbrochen weiter und so verbrachten wir den Abend mit einem Buch und bei Gesprächen mit anderen Wanderern im Gemeinschaftsraum der Hütte und hofften, dass dem Regen bis zum nächsten Tag das Wasser ausgehen würde.

Tag 2: Routeburn Falls – Lake Mackenzie, 11,3 km
Melanie:
Als wir am morgen erwachten, hatte der Regen zumindest auf “Wassersparmodus” umgestellt und es nieselte nur noch ein wenig. Zu unserer großen Freude hatte sich der Nebel fast vollständig verzogen und wir kamen doch noch in den Genuss des tollen Ausblicks ins Flusstal.

Ein Großteil der Hüttenbewohner war bereits aufgebrochen, so dass wir in aller Ruhe frühstücken und uns für die heutige Wanderung rüsten konnten. Das bedeutete in diesem Fall Regenjacke überziehen und die Rücksäcke in ihren Regenschutz zu hüllen.

Heute hatten wir keine Gelegenheit, uns gemütlich einzuwandern. Stattdessen ging es von Anfang an stetig bergauf. Mit Begeisterung stellte ich fest, dass meine Wanderwaden zurück waren und so kletterte ich munter drauf los.

Bereits nach einer kurzen felsigen Passage erreichten wir die Routeburn Falls, einen beeindruckenden Wasserfall, in dem sich der Routeburn River in eine Schlucht hinabstürzt. Anschließend durchquerten wir ein Hochtal, in dem niedrige Sträucher, Bergblumen und Kräuter das Landschaftsbild bestimmten.

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Den weiteren Weg kann man nicht wirklich als Weg bezeichnen, da wir einen Bachlauf hinaufkraxelten. Hier hieß es vorsichtig sein, da die losen Steine des Bachlaufs ziemlich glatt und rutschig waren. An einer besonders steilen Stelle war ich dann nicht vorsichtig bzw. trittsicher genug und rutschte aus. Fabian versuchte noch, mich abzufangen, aber ehe ich mich versah landete ich mit dem Hinterteil im Bachlauf, der zum Glück nicht besonders viel Wasser führte. Ansonsten blieb beim Ausrutscher ohne Folgen und wir konnten weiterwandern, vorbei an mächtigen, mit Farnen bewachsenen Felstürmen. Der Weg wurde immer steiler und wand sich über loses Geröll den Hang hinauf. Mittlerweile konnte ich deutlich den Trainingseffekt der letzten Wanderungen feststellen, da der Aufstieg zwar kein Spaziergang war, er aber dennoch gut zu bewältigen war. Als wir die höchste Stelle erreicht hatten, wurden wir mit einem grandiosen Ausblick auf den in einer herrlichen Hochebene liegenden Lake Harris und den Blick zurück ins Tal belohnt.

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Fabian:
Und das war leider vorerst der letzte schöne Ausblick für die nächsten Stunden. Denn als wir den Harris Saddle (1.277 m) passiert hatten, wurde das Wetter wieder schlechter und wir befanden uns kurze Zeit später inmitten einer dicken Wolkenschicht. Die extrem feuchtnasse Luft der Wolken wurde noch durch Regenschauer ergänzt und bescherte uns eine Sicht von knapp 20 Metern. So blieb uns leider die tolle Aussicht auf die umliegenden Bergketten verwehrt, die sich normalerweise an dieser Stelle bietet, denn mittlerweile folgten wir einem schmalen Höhenweg auf der steilen Westflanke des Ocean Peak parallel zum Hollyford Valley. Die folgenden eineinhalb Stunden wanderten wir langsam bergab, besser gesagt kletterten wir bergab. Denn der fast ausschließlich aus Steinen und Geröll bestehende Weg war durch die Nässe noch glitschiger als der Weg beim Aufstieg und machte das Vorankommen sehr mühsam. Zudem litten Fuß- und Kniegelenke erheblich. Die Ruhe, das langsame Vorankommen und die geringe Sicht vermittelten uns jedoch auch einen tollen Eindruck von Abgeschiedenheit und Einsamkeit.

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Nach einem kurzen Anstieg über riesige Felsen machte der Weg einen Linksknick und führte uns in das Mackenzie-Becken. Genau in diesem Moment riss die Wolkendecke kurz auf und öffnete den Blick auf den wunderschön schimmernden Lake Mackenzie, an dessen Ufer wir auch bereits die Mackenzie Hut ausmachen konnten. Die folgenden Steilkehren hinunter ins Tal waren zum Glück nicht ganz so felsig, so dass wir ziemlich schnell die Baumgrenze erreichten und direkt in den märchenhaften Buchenwald eintauchten. Haben wir bisher schon einige Moos bewachsene Wälder gesehen, so war dieser aber bei weitem der schönste. Noch ursprünglicher, noch mehr Moos und Farne. Unsere Augen erblickten nur noch die Farbe Grün, die hier so viele unterschiedliche Schattierungen hatte, dass selbst der Pantone-Farbfächer nicht ausgereicht hätte. Während wir durch diesen verzauberten Wald der Hütte entgegengingen, warteten wir ständig darauf, dass Schneewittchen oder die sieben Zwerge hinter einem der Bäume hervorspringen.

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Nachdem wir unsere Einzelbetten bezogen hatten, setzten wir uns mit unseren Büchern in den Gemeinschaftsraum und machten uns etwas Warmes zu trinken. Da die Sonne sich schon wieder verzogen hatte, war es mittlerweile recht kühl geworden, so dass ich mich auf die Suche nach Feuerholz machte. Dies war auch schnell gefunden, nur leider fehlte es an geeigneten Anzündern. Einige Meter zusammengeknülltes Toilettenpapier waren aber ein guter Ersatz und so brannte im Ofen bald ein wärmendes Feuer. Angelockt von der wohligen Wärme, füllten sich die Bänke um uns herum schnell mit anderen Wanderern und wir kamen mit einem Arzt aus Boston und seiner Tochter ins Gespräch. Wir unterhielten uns bis zum Abendessen mit den beiden Amerikanern, machten uns dann unsere Tütenmahlzeit (heißes Wasser drauf, 10 Minuten warten, fertig) und teilten anschließend noch unseren Käse mit den Zweien. Bei schummriger Beleuchtung steckten wir noch bis kurz vor zehn unsere Nasen in die Bücher und gingen dann ins Bett.

Tag 3: Lake Mackenzie – The Divide, 12 km
Melanie:
Als wir zur letzten Etappe unserer dreitägigen Wanderung aufbrachen, empfing uns eine Eiseskälte. Mit Fleecemützen und unseren dicken Fleecejacken ausgerüstet (kurz hatten wir überlegt auch Handschuhe anzuziehen) stapften wir durch das Tal, dessen Gräser und Büsche in glitzernden Raureif eingehüllt waren. Der Himmel erstrahlte in schönstem Blau und die Sonne begann bereits die Luft ein wenig zu erwärmen.

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Der Weg führte uns an unzähligen rauschenden Bächen und kleinen Holzbrücken vorbei und stieg durch einen Buchenwald stetig an, bis wir eine Hochebene mit kleinen Tümpeln (The Orchard) erreichten. Nachdem wir weitere Bäche und auch Wasserfälle passiert hatten, gelangten wir zu dem wohl imposantesten Wasserfall des Tracks, den 174 m hohen Earland Falls, wo sich die Wassermassen zunächst donnernd in den Sunny Creek und anschließend in den Hollyford River hinabstürzen.

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Der weitere Weg führte über einen feuchten, stellenweise extrem matschigen von zahlreichen Farnen eingesäumten Weg zum Lake Howden, an dem die gleichnamige Hütte steht (708 m). Den wunderschön gelegenen See nutzen wir für eine Erholungs- und Essenspause, bevor wir den Rest der Etappe in Angriff nahmen.

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Fabian:
Das Restprogramm startete zunächst mit einem steilen Anstieg, den wir nach einer Viertelstunde hinter uns gebracht hatten. Jetzt ging es nur noch bergab bis zum Endpunkt des Routeburn Tracks, dem niedrigsten Pass der Südalpen: The Divide (532 m). Etwas mehr als eine halbe Stunde benötigten wir für die letzten Kilometer, so dass wir um kurz nach zwei den Parkplatz erreichten. Konditionell hatte uns der Track nicht so stark gefordert wie wir es eigentlich erwartet hatten. Vielleicht waren die beiden anderen Wanderungen aber auch ein gutes Training. Lediglich die Füße und bei mir besonders die Knie schmerzten doch ganz ordentlich, nach den zahlreichen steinigen Kilometern bergab. Wir waren uns aber einig, dass dies die schönste Wanderung in Neuseeland war, die wir gemacht hatten.

Wir genossen noch eine gute Stunde in der Sonne, bevor unser Bus kam und uns zurück nach Queenstown brachte. Das hört sich leichter an als es ist, denn die Straße macht einen riesigen Bogen um die Berge, so dass die Fahrt mit Pausen vier Stunden dauerte.

Zurück in Queenstown nahmen wir als erstes natürlich eine ausgiebige Dusche. Als wir unsere E-Mails checkten, mussten wir leider erfahren, dass unser Tauchtrip im Milford Sound abgesagt wurde, da sich außer uns keine anderen Taucher angemeldet hatten (sie benötigen vier). Wir beschlossen stattdessen als Alternative eine reine Bootstour auf dem Sound zu machen. Den Abend ließen wir schließlich bei einem Italiener in der Innenstadt ausklingen.

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