6. April 2010 | 13:52 Uhr
Ostersonntag, ein Tag der Stille und Besinnung. In Kambodscha hat man davon definitiv noch nichts gehört. Um kurz nach halb sieben riss mich das schrille Kreischen einer Kreissäge und lautes Gehämmer äußerst unsanft aus den Träumen. Im Haus direkt nebenan wurde fleißig renoviert und da der Kambodschaner scheinbar ganz nach dem Motto “Der frühe Vogel fängt den Wurm” lebt, fängt man hier auch nach einem Sonntag kurz nach Sonnenaufgang an zu arbeiten. Auch Fabian wurde durch den Lärm geweckt und während wir so etwas wie “Unverschämtheit” und “die haben sie doch nicht mehr alle” vor uns hin brummelten, versuchten wir noch etwas zu schlafen…was uns mehr oder weniger auch gelang.
Als wir uns auf den Weg zu einem Café machten, um erst einmal zu frühstücken, fiel uns auf, das kaum jemand (weder Einheimische noch Touristen) zu Fuß unterwegs waren. Entweder war man im Auto bzw. auf dem Motorroller unterwegs, oder aber man ließ sich mit einem Tuk Tuk herumkutschieren. Wir brauchten nur wenige Meter, um festzustellen, warum das so war…es war einfach unglaublich heiß. Zwar war es nicht mehr so schwül wie noch in Ho Chi Minh-Stadt, aber es war noch heißer (über 40 Grad) und schon alleine die Aufforderung “Beweg dich” vom Gehirn an den Körper, ließ uns in Schweiß ausbrechen. So schnell wie möglich flüchteten wir ins klimatisierte Café und akklimatisierten uns bei einem ausgedehnten Frühstück. Aber da es on Phnom Penh viel zu entdecken gibt, konnten wir uns dort nicht ewig verschanzen und so wagten wir uns wieder hinaus in die Hitze. Allerdings nahmen wir von der geplanten Stadterkundung zu Fuß Abstand, nahmen uns stattdessen ein Tuk Tuk und ließen uns zu unserem ersten Ziel, den Wat Phnom bringen.
Der Tempel liegt auf einem 27 Meter hohen Hügel und hat der Stadt ihren Namen gegeben. Direkt vor dem Eingang des Tempels fanden gerade Vorbereitungen für eine Hochzeit statt. Stühle wurden aufgestellt und dekoriert und vor einem Schrein wurden zahlreiche Opfergaben in Form von Obst, Gemüse und Coladosen platziert. Im Inneren des Tempels gab es beeindruckende Wandmalereien und einen ebenfalls mit zahlreichen Opfergaben versehenen Schrein zu bestaunen. Ein Besuch des Wat Phnom ist jedoch nicht komplett, wenn man nicht auch Sam Bo, einem 40jährigen Elefanten, der tagtäglich neben dem Hügel steht, einen Besuch abstattet. Wir kauften ein paar Bananen, die wir in wenigen Sekunden an Sam verfüttert hatten.
Zu Fuß ging es dann weiter zum Hotel Le Royal, das inmitten einer tropischen Gartenanlage steht und mit einer architektonischen Stilmischung aus kolonial, Khmer und Art Deco ein beeindruckendes Gebäude ist. Vor allem aber sein exzellent klimatisierter Wintergarten war genau der richtige Ort für eine Abkühlung und Erfrischung. Von dort aus schlenderten wir zunächst über den Psar Thmei, einem Markt, auf dem mit allem gehandelt wird, was das Herz begehrt, um uns danach in der kühlen Sorya Mall, einem riesigen Kaufhaus, ein wenig umsahen.
Ein Tuk Tuk brachte uns von der Sorya Mall zu Phnom Penhs berühmtester Sehenswürdigkeit, einem Komplex mit dem Königspalast und der Silberpagode. Für den Besuch des Komplexes gelten strenge Kleidervorschriften und Shorts, kurze Röcke, ärmellose T-Shirts oder gar knappe Tops sind nicht erlaubt. Während wir am Ticketschalter anstanden, konnten wir beobachten, wie einige knapp bekleidete junge Damen rigoros des Geländes verwiesen wurden. Und selbst denjenigen, die sich ihren knapp bekleideten Oberkörper mit einem großen Schal bedeckten, wurde der Zutritt verwehrt, da aus uns unverständlichen Gründen auch das nicht erlaubt war. Wir waren zum Glück vorbereitet und entsprechend angemessen angezogen und bekamen unsere Tickets ohne Probleme.
Von allen Gebäuden auf dem Gelände ist nur der Thronsaal für die Besucher zugänglich, der allerdings ziemlich beeindruckend ist. Das Dach ist siebenfach gestaffelt und besteht aus grünen, orangefarbenen und saphirblauen Ziegeln, die Decke ist mit detaillierten Szenen aus der Hindu-Epoche Reamker bemalt, zu beiden Seiten eines 35 Meter langen Teppichs sind vergoldete Lampenständer aufgereiht und auf einem erhöhten Podest im Zentrum stehen zwei kunstvoll gestaltete vergoldete Königsthrone. Leider war es uns nicht möglich diese Pracht auf einem Foto festzuhalten, da fotografieren verboten war und mehrere Wachmänner mit Argusaugen darauf achteten, dass dieses Verbot nicht umgangen wird.
In der Silberpagode ist neben dem Smaragdbuddha ein imposanter lebensgroßer Buddha aus massivem Gold zu bewundern, der 90 Kilo wiegt und mit knapp 2.100 Diamanten und Edelsteinen aus der königlichen Schatztruhe verziert ist.
Inzwischen waren wir ziemlich durchgeschwitzt und von der Hitze ganz schön erledigt, so dass wir uns nach einem kurzen Zwischenstopp in der Paragon Mall (einem weiteren Einkaufszentrum), wo wir uns mit kalten Getränken und Knabberkram versorgten, zu unserem Hotel fahren ließen. Eine kalte Dusche und eine kleine Ruhepause im Hotelzimmer ließen die Unternehmungslust zurückkommen.
Auch an diesem Abend fanden wir ein einladendes Restaurant ganz in der Nähe, in dem wir bei einem leckeren Abendessen und noch immer 34 Grad den Abend ausklingen ließen.