vielsehen

11.04.2010: In der Praxis von Dr. Fish

13. April 2010 | 17:40 Uhr

Nachdem wir gestern zur Besichtigung der Tempel der Hitze getrotzt hatten, wollten wir es heute besonders ruhig angehen lassen und so viel Zeit wie nur möglich in unserem klimatisierten Gästehaus verbringen. So war es dann auch bereits später Nachmittag, als wir uns von einem Tuk Tuk ein weiteres Mal zum Old Market bringen ließen. Nachdem ich vor ein paar Tagen die Becken mit den hungrigen kleinen Fischen eher skeptisch beäugt hatte, wollte ich es heute wagen, meine Füße ins Massagebecken von Dr. Fish zu stecken. Zunächst wurden meine Füße gründlich gereinigt, schließlich sollen die Fische ja die toten Hautschuppen und nicht den Straßenstaub von meinen Füßen knabbern, dann tauchte ich sie langsam ins Becken und die Fische machten sich augenblicklich an die Arbeit. Ich bin zwar nicht besonders kitzelig, aber in den ersten Minuten musste ich mich doch stark beherrschen nicht hemmungslos loszukichern und meine Füße zurückzuziehen. So kicherte ich nur ein kleines bisschen vor mich hin und beobachte ansonsten neugierig, wie die Fische zwanzig Minuten lang meine toten Hautschuppen verputzten. Nach der Behandlung kribbelte die Haut, war aber auch schön weich.

Zum Abendessen ging es wieder in die Pub Street. Auf dem Balkon eines Restaurants gab es leckere Pizza und einen tollen Überblick über das Treiben auf der Straße.

10.04.2010: Die Tempel von Angkor

12. April 2010 | 17:05 Uhr

Die Tempel von Angkor gehören zu den Dingen, auf die wir uns schon die gesamte Reise gefreut haben. Bisher kannten wir die majestätischen Bauten nur aus Bildbänden oder Berichten, doch heute verschafften wir uns endlich einen eigenen Eindruck…und der begann, als es noch stockdunkel war.

Um fünf Uhr setzten wir uns in unser Tuk Tuk (natürlich auch heute wieder von Mr. Marom gefahren) und fuhren los, damit wir den Sonnenaufgang über Angkor Wat erleben konnten. Da die Tempel nur einige Kilometer vor den Toren von Siem Reap liegen, brauchten wir nicht lange für die Fahrt. Wir schritten vorsichtig über den zur Tempelanlage führenden Dammweg, da wir im gerade einsetzten Dämmerlicht noch nicht viel sehen konnten. Beim Durchschreiten des äußeren Tores eröffnete sich bereits ein erster unglaublicher Anblick. Die fünf hohen Türme des inneren Tempels zeichneten sich dunkel vor dem sich langsam erhellenden Himmel ab. Wir setzten uns an den Rand eines Wasserbeckens und warteten die folgende Stunde den Sonnenaufgang ab, während sich die Tempelanlage langsam aus dem Dunkel der Nacht materialisierte. Natürlich waren wir nicht die einzigen Touristen, die sich dieses Spektakel anschauten und angesichts der doch recht großen Anzahl “Gleichgesinnter” fragten wir uns erschrocken, wie voll es hier wohl in der Hauptsaison ist.

Nachdem die Sonne schließlich höher am Himmel stand, erkundeten wir ausgiebig die riesige Tempelanlage mit all ihren Türmen, Räumen, Säulengalerien und Reliefs. Weitere Ausführungen zum Tempel (und auch den folgenden) spare ich mir, dafür müsste ich dann sicher ein eigenes Buch schreiben. Wir waren auf alle Fälle schwer beeindruckt und hellauf begeistert und gingen nach etwas mehr als einer Stunde zurück zu unserem Tuk Tuk. Denn schließlich warteten auch noch andere Tempel auf uns, genauer gesagt gibt es auf dem über 300 km² umfassenden Areal mehrere Dutzend Tempel, aus denen wir uns für den heutigen Tag die wichtigsten und imposantesten herausgesucht hatten:

1. Angkor Wat
Oben beschrieben und sicherlich DAS Highlight aller Tempel in Angkor.

2. Phnom Bakheng
Ein Tempel hoch oben auf einem Berg. Der Tempel an sich ist nicht so beeindruckend, dafür aber die tolle Aussicht über das Land und die Türme von Angkor Wat. Vorausgesetzt, man bewältigt die extrem schmalen und steilen Stufen ohne herunterzufallen.

3. Angkor Thom (die ummauerte Stadt) mit dem Bayon Tempel
Mehrere ummauerte Tempelanlagen, wo schon die Mauer mit ihren Eingangstoren beeindruckend ist. Der Bayon Tempel mit seinen 54 Türmen und über 200 riesigen Gesichtern machte uns beinahe sprachlos. Der von uns im Anschluss besuchte Tempel Baphuon, sowie die Elefantenterrasse und die Terrasse des Leprakönigs verblassen danach ein bisschen.

4. Preah Khan
Nicht mehr ganz so gut erhalten bzw. restauriert, dafür aber mit marodem Charme und vielen geschlossenen Gängen und Räumen, die betreten werden können.

5. Ta Prohm
Das dritte Highlight von Angkor, der “Dschungeltempel”. Die Anlage ist teilweise auch recht stark zerfallen, die Besonderheit sind hier jedoch auch die mächtigen Kapokbäume, die mit ihren gewaltigen Wurzeln die Tempelbauten umklammern oder sie gar auseinander brechen. Zusammen mit den Moosbewachsenen Steinen ergibt sich hier ein ganz anderes, sehr spektakuläres Bild als in den anderen Tempeln.

Während dieses Besichtigungsprogramms wurde es wie erwartet mit jeder Stunde heißer, bis es zur Mittagszeit wieder unerträglich war. Da zugleich auch die Menge der Touristen mit jedem Tempel zunahm (auf dem Tempelberg Phnom Bakheng war nur ein weiterer Tourist, in Ta Prohm waren es hingegen mehrere Busladungen) und wir langsam auch genug Tempelbauten gesehen hatten, beschlossen wir um kurz vor zwölf den letzten Tempelbesuch vom Programm zu streichen und zurück ins Hotel zu fahren. Die Eindrücke aus sieben Stunden Tempelbesichtigungen mussten schließlich auch erst einmal verarbeitet werden.

Abendessen und ein paar kühlende Getränke gab es dann wieder im touristischen Zentrum von Siem Reap, der Pub Street. Da wir heute etwas mehr Zeit hier verbrachten, konnten wir teilweise nur kopfschüttelnd auf einige “Pauschaltouristen” blicken, die mit ihrem Verhalten vielleicht besser nach Mallorca gepasst hätten.

09.04.2010: Kampong Khleang am Tonle Sap

12. April 2010 | 17:00 Uhr

…klingt vielleicht, als wäre es etwas Unanständiges, ist aber ein kleines Dorf am Rande eines Flusses, das wir heute im Rahmen eines Tagesausfluges besuchen wollten. Während 99% der Touristen bei einem Ausflug dieser Art ins nur wenige Kilometer entfernte Chong Kneas gekarrt werden, bietet unser Gästehaus eine Tour in das oben genannte Dörfchen an, das etwa 35 km südöstlich von Siem Reap entfernt liegt. Wir hatten uns für diese etwas teurere Variante entschieden, da wir so anstatt mit großen Gruppe lediglich zu Viert unterwegs sein würden und wir uns zudem erhofften, die Dorfbewohner fernab großer Touristenmassen erleben zu können. Eine Hoffnung, die nicht enttäuscht werden sollte.

Um halb acht machten wir uns in einem Tuk Tuk, das von einem sehr netten Kambodschaner mit dem Namen Mr. Marom gesteuert wurde, auf den Weg. Bereits die Fahrt war ein großartiges Erlebnis, da zu dieser Tageszeit aufgrund der moderaten Temperaturen die meisten Einheimischen unterwegs sind und wir das muntere Treiben auf und am Rande der Straßen miterleben konnten. Dabei erregte insbesondere die Ladeflächen einiger Pick-ups unsere Aufmerksamkeit. Da viele Einheimische sich weder ein Tuk Tuk und schon gar keinen Bus leisten können, quetschen sie sich mit so vielen Personen samt Gepäck möglich auf die Ladefläche des Pick-Ups und werden so ans gewünschte Ziel transportiert, was auf uns weder besonders bequem noch annähernd sicher wirkte.

Unterwegs hielten wir kurz an einem der zahlreichen Stände am Straßenrand an, wo Mr. Marom für uns einen kleinen Snack für später besorgte, den so genannten “Sticky Rice”: man nehme ein dickes Bambusrohr, fülle es mit einer Mischung aus gekochtem Reis, Kokosmehl und schwarzen Bohnen und röste das Ganze dann über dem Feuer…hmmm…sehr lecker!

Während der Fahrt durchquerten wir einige kleine Dörfer, deren Bewohner unsere Durchfahrt neugierig beobachteten. Viele Kinder winkten uns freundlich zu, lachten und riefen uns “Bye, bye” zu.

Nach knapp eineinhalb Stunden Fahrt erreichten wir Kampong Khleang. Mr. Marom führte uns zunächst zu Fuß durch das Dorf und auch hier wurden wir von den Kindern herzlich begrüßt, während die Erwachsenen scheinbar vollkommen ungestört durch unsere Anwesenheit ihrer Arbeit nachgingen, uns aber ebenfalls freundlich zunickten wenn wir stehen blieben und Mr. Marom uns erklärte, was genau da gerade vor sich geht. So sahen wir, wie die Dorfbewohner Werkzeuge herstellen oder aber Fische zum Verzehr oder zur Weiterverarbeitung trocknen. Besonders beeindruckend waren jedoch die Stelzenhäuser, die jetzt während der Trockenzeit bis zu zehn Meter in die Luft ragen. Mit Einsetzen der Regenzeit steigt das Wasser des Flusses dann bis auf einen Meter an die Häuser heran. Einige Konstruktionen mit Bambusstelzen anstelle von Holzstelzen wirkten teilweise äußerst abenteuerlich und erweckten den Eindruck, als könne der kleinste Windstoß das gesamte Haus in sich zusammenstürzen lassen.

Unser kleines Boot, in das wir zur Erkundung des Flusses und der schwimmenden Dörfer bestiegen wirkte deutlich solider, auch wenn es leichte Schräglage hatte. Wir genossen zunächst eine sehr idyllische Fahrt entlang des Flusses, während der wir den Fischern zuschauen konnten, wie sie teilweise bis zum Hals in dem schlammigen Wasser standen und ihre Fischreusen und Fangnetze kontrollierten.

Wir erreichten den See und somit auch die schwimmenden Dörfer. Mr Marom erklärte uns, dass sich auf der einen Seite ein vietnamesisches und auf der anderen Seite ein kambodschanisches Dorf befindet. Kambodschaner und Vietnamesen verstünden sich zwar grundsätzlich gut, allerdings würden die Vietnamesen dazu neigen nachts laut Musik zu hören und viel zu feiern…zu viel für die Kambodschaner. Unser Boot legte an einem der schwimmenden Märkte an, der aus mehreren miteinander vertäuten kleinen Booten bestand, auf denen man fast ausschließlich fangfrischen Fisch kaufen konnte. Während wir das Treiben lediglich neugierig beobachteten, kaufte die Besatzung unseres Bootes fleißig ein und ließ sich für nur wenige Dollar Kiloweise Fisch einpacken. Bevor wir auf dem Fluss zum Dorf zurückkehrten umkreisten wir noch die beiden schwimmenden Dörfer und konnten uns einen Eindruck von den doch unterschiedlichen Bau- und Lebensweisen der Kambodschaner und Vietnamesen verschaffen. Während die Stelzenhäuser der Kambodschaner eher einfach und spartanisch wirkten, waren die Häuser der Vietnamesen direkt auf Schiffen gebaut, aufwändiger und bunter aber auch “rummeliger”. Nach der Rückkehr ins Dorf aßen wir genüsslich besagten “Sticky Rice” und machten uns anschließend auf den Weg zurück zum Gästehaus. War die Fahrt am Morgen noch kühl und angenehm, so wehte uns jetzt ein schon fast heißer Fön um die Nase.
Den Nachmittag verbrachten wir in den kühlen Gefilden unseres klimatisierten Zimmers und trauten uns erst am Abend wieder hinaus. Unser Weg führte uns zunächst zum Old Market und in die Pub Street, dem Vergnügungsviertel der Touristen. Wir blieben nur kurz dort, um etwas zu trinken, da wir zum Abendessen die deutlich weniger touristische aber sehr viel authentischere Garküche vom gestrigen Abend bevorzugten. Die Betreiberin erkannte uns sofort wieder, begrüßte uns freundlich und wir verbrachten dort erneut einen tollen Abend.

08.04.2010: Es fährt ein Bus nach Siem Reap

10. April 2010 | 15:00 Uhr

Und der Bus kam eine halbe Stunde später, brauchte vier Stunden für die Fahrt, machte unterwegs die üblichen Pausen und wir waren die einzigen Touristen an Bord. Und natürlich wurden wir auch heute wieder von den mitreisenden Kambodschanern neugierig aber vor allem unglaublich freundlich in Empfang genommen. Generell konnten wir in den vergangenen Tagen immer wieder die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Lebensfreude der Kambodschaner erleben oder besser gesagt genießen. Es macht uns unglaublich Spaß in diesem Land zu reisen, da abgesehen von den Sehenswürdigkeiten vor allem die Menschen hier so unbeschreiblich sind. Vielleicht liegt es daran, dass der Tourismus hier noch nicht so weit verbreitet ist und die Kambodschaner uns daher immer so offen und freundlich empfangen, als ob wir ihre ganz persönlichen Gäste wären.

Während der Busfahrt war es natürlich auch wieder ziemlich warm, so dass wir nach unserer Ankunft in Siem Reap zuerst wieder unter die Dusche hüpften und noch ein wenig Zeit verstreichen ließen, bevor wir bei etwas angenehmeren Temperaturen den ersten Erkundungsgang durch die Stadt wagten. Besser gesagt hatten wir uns für heute Abend den Nachtmarkt vorgenommen. Erstaunt darüber, wie ruhig es hier zuging, ließen wir uns viel Zeit und blieben an dem einen oder anderen Stand länger stehen. Besonders aufgefallen ist uns der hier an vielen Ecken tätige Dr. Fish. Seine Dienstleistung, die Dr. Fish Massage, besteht darin, dass man seine Füße in ein Wasserbecken taucht und dann viele kleine Fische an den Mauken rumknabbern. Da wir uns aber täglich die Füße selber waschen, verzichteten wir auf eine Behandlung.

Nach einiger Zeit suchten wir uns dann eine kleine Garküche am Straßenrand und genossen ein weiteres Mal große kambodschanische Kochkunst, wobei die ältere Betreiberin sich anfangs mit zu uns an den Tisch setzte und uns Empfehlungen zum Essen gab. Wohligen Gefühls gingen wir noch ein bisschen durch die von Leuchtreklame erhellten Straßen und nahmen uns schließlich ein Tuk Tuk zurück zum Hotel.

07.04.2010: Heißer geht es immer

10. April 2010 | 14:59 Uhr

Nachdem wir in den vergangenen Tagen bereits die unglaublich heißen Temperaturen in Kambodscha kennen gelernt hatten, mussten wir heute feststellen, dass es noch heißer werden kann. Als wir das klimatisierte Hotelzimmer zum Frühstück verließen, rannten wir gegen eine heiße Wand. Schon während des folgenden Frühstücks trieb uns das Wetter den Schweiß auf die Stirn, denn zu den hohen Temperaturen war nun auch wieder die hohe Luftfeuchtigkeit da. Abgesehen von Sport und Sauna habe ich in meinem ganzen Leben noch nie so geschwitzt.

Durch die Temperaturen war auf den Straßen selbst am morgen nicht besonders viel los, so dass wir einen sehr ruhigen Stadtrundgang genießen konnten. Zudem schienen wir fast die einzigen Touristen in Battambang zu sein. Zuerst besuchten wir eine der beiden ältesten Pagoden im Süden der Stadt, wo wir auf eine etwas seltsame Statue trafen: ein am Boden liegender Mensch, dessen Gedärme gerade von einem Vogel gefressen werden. Im Anschluss an diesen “spirituellen” Moment schlenderten wir entlang des Flusses Sankers gen Norden und konnten dabei einige der alten Geschäftshäuser aus der Kolonialzeit bestaunen. Leider sind nicht alle Gebäude ordentlich restauriert, sondern teils der Einfachheit halber nur mit bunten Fliesen “saniert” worden.

Mittlerweile hatte uns das Wetter schon ziemlich mitgenommen, doch zum Glück war unser nächstes Ziel, die andere der beiden ältesten Pagoden, nicht mehr weit. Doch als wir auf dem Gelände der Pagode ankamen, mussten wir leider feststellen, dass diese aktuell aufgrund von Renovierungsarbeiten am Dach geschlossen war. Um etwas abzukühlen setzten wir uns auf eine Bank im Schatten von einigen Palmen und beim Blick nach rechts erhellten sich unsere Mienen. Denn dort tummelten sich drei kleine Hundewelpen mitsamt ihren größeren Geschwistern um einen Mönch. Da dieser anscheinend besonders Melanies Begeisterung bemerkte, steuerte er mitsamt den kleinen Hunden auf uns zu und setzte sich neben mich auf die Bank. So kamen wir ins Gespräch und unterhielten uns über die Hunde, seine Ausbildung, seine Pläne, Kambodscha als Land und vieles mehr. Er öffnete uns sogar exklusiv die eigentlich dem Publikum verschlossene Pagode, so dass wir doch noch einen Blick ins Innere werfen konnten. Nachdem wir noch etwas mit dem Mönch gesprochen und die Hunde gestreichelt hatten, gaben wir ihm eine kleine Spende für die Pagode und nahmen unseren Stadtrundgang wieder auf.

Als wir den zentralen Markt von Battambang erreichten, war das sonst stets bunte Treiben ebenfalls von der Hitze wie gelähmt. Die Händler drückten sich in die schattigste Ecke ihrer Stände, von Kunden war weit und breit nicht viel zu sehen und wir suchten nach kurzer Zeit ebenfalls den Schatten eines in der Nähe gelegenen Cafés auf. Ein wenig von frischem Eistee abgekühlt, nahmen wir die letzte Etappe zurück zum Hotel in Angriff. Mittlerweile war es Mittag und die Stadt wirkte nun wie ausgestorben. Die Rollläden der Geschäfte waren heruntergelassen, es waren fast keine Menschen mehr auf den Straßen unterwegs und die, die wie wir noch unterwegs waren, schienen sehr zielstrebig der Hitze entfliehen zu wollen.

Die Stunden bis zum Abendessen verbrachten wir in unserem halbwegs klimatisierten Zimmer. Der Abend gestaltet sich ebenso wie der vorangegangene, lediglich die Nacht unterschied sich in darin, dass um zwei Uhr der Wecker klingelte und wir (na ja, größtenteils ich) das Championsleague-Spiel ManU vs. Bayern im Fernsehen schaute. Sehr erfreut über den Ausgang des Spiels versuchte ich dann noch etwas Schlaf zu bekommen.

P.S.: Heute sind ganz nebenbei unsere letzten zwei Wochen der Reise angebrochen. Unglaublich, wie schnell die vergangenen Monate vergangen sind. Eigentlich könnten wir noch eine ganze Zeit so weiterreisen, obwohl wir seit ungefähr zwei Wochen ab und zu Momente von Reisemüdigkeit verspüren, aber so langsam freuen wir uns auch wieder auf die Dinge, die zu Hause auf uns warten.

06.04.2010: Busfahrt nach Battambang

10. April 2010 | 14:56 Uhr

Es war Zeit Phnom Penh zu verlassen und mehr von Kambodscha zu entdecken. Während ein Großteil der Touristen direkt weiter nach Siem Reap fährt, um die berühmten Tempel von Angkor zu erkunden, hatten wir beschlossen, einen Zwischenstopp in Battambang, der drittgrößten Stadt Kambodschas einzulegen.

Um kurz nach neun wurden wir vom Shuttleservice des Busunternehmens abgeholt und zur Bushaltestelle gebracht, wo bereits eine großer Schar Einheimischer auf die Ankunft und Abfahrt wartete. Während bei unserer Fahrt von Ho Chi Minh-Stadt noch zahlreiche westliche Touristen im Bus waren, konnten wir in der Menschenmenge die auf den Bus nach Battambang wartete lediglich eine weitere “Langnase” entdecken.

Mit einer leichten Verspätung von 15 Minuten traf unser Bus ein und zu allererst galt es, unsere Rücksäcke im Gepäckraum zu verstauen. Das war jedoch leichter gesagt als getan, denn wenn ein Kambodschaner verreist, dann nicht, ohne riesige Reissäcke, diverse andere in Kartons und Kisten verpackte Lebensmittel und einen gefühlten Großteil ihres Hausstandes mit auf die Reise zu nehmen. Nachdem man eine Lücke gefunden hatte, in die unsere Rucksäcke gequetscht werden konnten, stellte sich gleich das nächste Problem. Wir hatten bei Buchung unserer Bustickets einen festen Sitzplatz zugewiesen bekommen und normalerweise ist das bei jedem so. Da die Kambodschaner diese Sitzplatzzuweisung jedoch ignorieren und sich einfach irgendwo hinsetzen, waren unsere Plätze natürlich bereits belegt. Der Busfahrer warf einen Blick auf unsere Tickets und nach einer kurzen Diskussion mit einem weiteren Mitarbeiter, wurden die Frau und das Kind, die auf unseren Plätzen saßen umquartiert, was jedoch zur Folge hatte, dass sie sich jetzt zu dritt in eine Sitzreihe quetschen mussten. Die ganze Aktion wurde neugierig von den übrigen Mitreisenden beobachtet, die uns freundlich zulächelten und so dafür sorgten, dass wir uns nicht unwohl fühlten.

Während der Fahrt merkten wir, dass die Klimaanlage nicht im Entferntesten so gut funktionierte wie bei unserer letzten Busfahrt, so dass unsere Haut nach kurzer Zeit von einem leichten Schweißfilm überzogen war. Sehr viel anstrengender war jedoch die CD mit dem eintönigen kambodschanischen Gesang, die während der fast siebenstündigen Fahrt in Dauerschleife lief. Eine kleine Pause, um sich mit kalten Getränken und Essbarem zu versorgen und kurze Stopps am Straßenrand, um einzelne Fahrgäste aus- oder einsteigen zu lassen sorgten zumindest für ein wenig Ablenkung.

Wir erreichten Battambang gegen 17 Uhr müde und verschwitzt und waren froh, dass wir uns nicht mit der auf den Bus einstürmenden Flut an Tuk Tuk-Fahrern beschäftigen mussten, sondern von unserem Gästehaus abgeholt wurden. Es war noch heißer als in Phnom Penh und selbst der Fahrtwind brachte keine Abkühlung. Der Inhaber des Gästehauses, ein Australier, der seit 6 Jahren in Battambang lebt, riet uns dann auch, sofort die Klimaanlage in unserem Zimmer anzuschalten, da es am Nachmittag gnadenlos der Sonne ausgesetzt ist. Leider hatte sich das Zimmer aber bereits so aufgeheizt, dass die Klimaanlage kaum in der Lage war, den Raum herunterzukühlen.

Als wir uns am Abend auf den Weg zu einem Restaurant machten waren es noch immer 35 Grad. Da sich das Restaurant bereits um neun schlagartig leerte und auch die Straßen wie ausgestorben wirkten, gingen auch wir zurück ins Gästehaus und setzen uns noch eine Weile auf den Balkon unseres Zimmers. Gegen elf hatte es die Klimaanlage endlich geschafft für erträgliche Temperaturen im Zimmer zu sorgen und nach einer erfrischenden Dusche (der dritten des Tages) war es Zeit, schlafen zu gehen.

05.04.2010: Auf den Spuren der Roten Khmer

7. April 2010 | 11:45 Uhr

Nach dem Frühstück wartete bereits unser Tuk Tuk Fahrer vor dem Hotel auf uns. Wir hatten mit ihm am ersten Tag ausgemacht, dass er uns heute den ganzen Tag für unsere Tour zur Verfügung steht. Wir enterten das Gefährt – anders als in Thailand oder Indien sind die Tuk Tuks hier eine Art Anhänger, die von einem normalen Moped gezogen werden – und fuhren los. Wie bereits gestern konnten wir anfangs die breiten Boulevards von Phnom Penh bestaunen, die der Stadt an einigen Stellen ein sehr luftiges und weitläufiges Gefühl verleihen. Selbst heute am Montag war der Verkehr in der Hauptstadt nicht besonders dicht, zumindest wenn man ihn mit dem Verkehr in Vietnam vergleicht, wo jeder Vietnamese gefühlte zwei Mopeds besitzt. Kambodscha ist eines der ärmsten Länder der Erde, was sich natürlich auch in einer geringeren Motorisierung der Bevölkerung ausdrückt. Die reiche Bevölkerung fährt daher eher in dicken Autos durch die Gegend, welche sich mit einigen Mopeds und eben Tuk Tuks die Straße teilen.

Als wir langsam aus dem Zentrum der Stadt herausfuhren, änderte sich das Straßenbild jedoch stärker und auch die Armut des Landes wurde in Form von einfachen Wohnhütten deutlicher sichtbar. Die Fahrt führte zu unserem ersten Ziel, den Killing Fields von Choeung Ek, einem Ort an dem eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte geschrieben wurde. Hier exekutierten die Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 über 17.000 Menschen und vergruben diese in 129 Massengräbern (insgesamt gibt es in Kambodscha unglaubliche 14.500 Massengräber mit insgesamt 2 Millionen Toten!). Die sterblichen Überreste aus etwa zwei Dritteln der Gräber wurden geborgen und zeigten noch deutlicher die unfassbaren Gräueltaten, die das Regime unter Pol Pot an der eigenen Bevölkerung verübt hat. Um Munition für den Kampf gegen den “imperialistischen Feind” (USA) zu sparen, wurden die Menschen mittels Äxten, Bambusstangen, Spaten oder sogar scharfen Palmblättern zu Tode geprügelt oder enthauptet. Babys und kleine Kinder wurden mit dem Kopf gegen einen Baum geschlagen bis sie tot waren.

Dieser auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkende Ort mitten in den Feldern vor den Toren Phnom Penhs, wird heute von einer Stupa markiert, die als Mahnmahl einen Teil der Überreste der ausgegrabenen Leichen enthält. Der Anblick der Totenschädel, Knochen und Kleidungsreste ließ uns einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Noch bedrückender war der Rundgang über das Gelände, der die Schrecken noch greifbarer machte. Überall waren die leeren Gruben der Massengräber zu sehen und an vielen Stellen sind nach wie vor Knochen und Kleidungsreste in der Erde zu sehen, die vom Regen langsam an die Oberfläche gespült werden. Während unseres Rundgangs erzählte uns unser Guide seine persönliche Geschichte aus dieser Zeit, in der er wie so viele Kambodschaner einen Großteil seiner Familie verloren hatte. Stumm verließen wir diesen Ort des Schreckens.

Unser Tuk Tuk brachte uns zurück in die Stadt, wo wir zunächst kurz den “russischen Markt” besuchten, einem weiteren Gewirr aus engen Gassen, wo nahezu mit allen Waren gehandelt wird. Aber da wir nun langsam genug Märkte gesehen hatten und uns nicht nach shoppen zumute war, ließen wir uns nach einer halben Stunde weiter zum nächsten Ort der schrecklichen Herrschaft der Roten Khmer fahren: das Tuol Sleng Völkermordmuseum.

In einer ehemaligen Schule inmitten der Stadt errichteten die Roten Khmer das berüchtigte Gefängnis S-21, in dem zwischen 13.000 und 20.000 Menschen verhört, gefoltert und getötet wurden. Die hier inhaftierten Menschen wurden in der Regel nach einigen Wochen direkt nach Choeung Ek weitertransportiert, nicht jedoch bevor die Schergen Pol Pots versucht hatten, den Gefangenen ein Geständnis zu entlocken. Dabei wurde den verzweifelten Insassen Straffreiheit in Aussicht gestellt, was natürlich nur eine ganz perfide Methode war, sie zu einer Aussage zu bewegen. Die leeren Klassenzimmer mit den Metallbetten, an denen die Verhörten gekettet wurden und die winzigen Verschläge, in denen die Gefangenen eingesperrt wurden waren schrecklich. Schrecklicher waren jedoch die tausenden von Fotos, die die Gefangenen zeigten (darunter auch Kinder). Teils trotzige oder gleichgültige Gesichter blickten uns daraus an, die meisten spiegelten jedoch Verzweifelung und blanke Angst wieder.

Nach der Besichtigung von Tuol Sleng brauchten wir eine Pause, um das heute erlebte zu verarbeiten. Da die Temperaturen heute noch mal ein bisschen zugelegt hatten, suchten wir zunächst ein klimatisiertes Café neben unserem Hotel auf, bevor wir die Stunden bis zum Abendessen in unserem ebenfalls angenehm klimatisierten Zimmer verbrachten.

04.04.2010: Phnom Penh

6. April 2010 | 13:52 Uhr

Ostersonntag, ein Tag der Stille und Besinnung. In Kambodscha hat man davon definitiv noch nichts gehört. Um kurz nach halb sieben riss mich das schrille Kreischen einer Kreissäge und lautes Gehämmer äußerst unsanft aus den Träumen. Im Haus direkt nebenan wurde fleißig renoviert und da der Kambodschaner scheinbar ganz nach dem Motto “Der frühe Vogel fängt den Wurm” lebt, fängt man hier auch nach einem Sonntag kurz nach Sonnenaufgang an zu arbeiten. Auch Fabian wurde durch den Lärm geweckt und während wir so etwas wie “Unverschämtheit” und “die haben sie doch nicht mehr alle” vor uns hin brummelten, versuchten wir noch etwas zu schlafen…was uns mehr oder weniger auch gelang.

Als wir uns auf den Weg zu einem Café machten, um erst einmal zu frühstücken, fiel uns auf, das kaum jemand (weder Einheimische noch Touristen) zu Fuß unterwegs waren. Entweder war man im Auto bzw. auf dem Motorroller unterwegs, oder aber man ließ sich mit einem Tuk Tuk herumkutschieren. Wir brauchten nur wenige Meter, um festzustellen, warum das so war…es war einfach unglaublich heiß. Zwar war es nicht mehr so schwül wie noch in Ho Chi Minh-Stadt, aber es war noch heißer (über 40 Grad) und schon alleine die Aufforderung “Beweg dich” vom Gehirn an den Körper, ließ uns in Schweiß ausbrechen. So schnell wie möglich flüchteten wir ins klimatisierte Café und akklimatisierten uns bei einem ausgedehnten Frühstück. Aber da es on Phnom Penh viel zu entdecken gibt, konnten wir uns dort nicht ewig verschanzen und so wagten wir uns wieder hinaus in die Hitze. Allerdings nahmen wir von der geplanten Stadterkundung zu Fuß Abstand, nahmen uns stattdessen ein Tuk Tuk und ließen uns zu unserem ersten Ziel, den Wat Phnom bringen.

Der Tempel liegt auf einem 27 Meter hohen Hügel und hat der Stadt ihren Namen gegeben. Direkt vor dem Eingang des Tempels fanden gerade Vorbereitungen für eine Hochzeit statt. Stühle wurden aufgestellt und dekoriert und vor einem Schrein wurden zahlreiche Opfergaben in Form von Obst, Gemüse und Coladosen platziert. Im Inneren des Tempels gab es beeindruckende Wandmalereien und einen ebenfalls mit zahlreichen Opfergaben versehenen Schrein zu bestaunen. Ein Besuch des Wat Phnom ist jedoch nicht komplett, wenn man nicht auch Sam Bo, einem 40jährigen Elefanten, der tagtäglich neben dem Hügel steht, einen Besuch abstattet. Wir kauften ein paar Bananen, die wir in wenigen Sekunden an Sam verfüttert hatten.

Zu Fuß ging es dann weiter zum Hotel Le Royal, das inmitten einer tropischen Gartenanlage steht und mit einer architektonischen Stilmischung aus kolonial, Khmer und Art Deco ein beeindruckendes Gebäude ist. Vor allem aber sein exzellent klimatisierter Wintergarten war genau der richtige Ort für eine Abkühlung und Erfrischung. Von dort aus schlenderten wir zunächst über den Psar Thmei, einem Markt, auf dem mit allem gehandelt wird, was das Herz begehrt, um uns danach in der kühlen Sorya Mall, einem riesigen Kaufhaus, ein wenig umsahen.

Ein Tuk Tuk brachte uns von der Sorya Mall zu Phnom Penhs berühmtester Sehenswürdigkeit, einem Komplex mit dem Königspalast und der Silberpagode. Für den Besuch des Komplexes gelten strenge Kleidervorschriften und Shorts, kurze Röcke, ärmellose T-Shirts oder gar knappe Tops sind nicht erlaubt. Während wir am Ticketschalter anstanden, konnten wir beobachten, wie einige knapp bekleidete junge Damen rigoros des Geländes verwiesen wurden. Und selbst denjenigen, die sich ihren knapp bekleideten Oberkörper mit einem großen Schal bedeckten, wurde der Zutritt verwehrt, da aus uns unverständlichen Gründen auch das nicht erlaubt war. Wir waren zum Glück vorbereitet und entsprechend angemessen angezogen und bekamen unsere Tickets ohne Probleme.

Von allen Gebäuden auf dem Gelände ist nur der Thronsaal für die Besucher zugänglich, der allerdings ziemlich beeindruckend ist. Das Dach ist siebenfach gestaffelt und besteht aus grünen, orangefarbenen und saphirblauen Ziegeln, die Decke ist mit detaillierten Szenen aus der Hindu-Epoche Reamker bemalt, zu beiden Seiten eines 35 Meter langen Teppichs sind vergoldete Lampenständer aufgereiht und auf einem erhöhten Podest im Zentrum stehen zwei kunstvoll gestaltete vergoldete Königsthrone. Leider war es uns nicht möglich diese Pracht auf einem Foto festzuhalten, da fotografieren verboten war und mehrere Wachmänner mit Argusaugen darauf achteten, dass dieses Verbot nicht umgangen wird.

In der Silberpagode ist neben dem Smaragdbuddha ein imposanter lebensgroßer Buddha aus massivem Gold zu bewundern, der 90 Kilo wiegt und mit knapp 2.100 Diamanten und Edelsteinen aus der königlichen Schatztruhe verziert ist.

Inzwischen waren wir ziemlich durchgeschwitzt und von der Hitze ganz schön erledigt, so dass wir uns nach einem kurzen Zwischenstopp in der Paragon Mall (einem weiteren Einkaufszentrum), wo wir uns mit kalten Getränken und Knabberkram versorgten, zu unserem Hotel fahren ließen. Eine kalte Dusche und eine kleine Ruhepause im Hotelzimmer ließen die Unternehmungslust zurückkommen.

Auch an diesem Abend fanden wir ein einladendes Restaurant ganz in der Nähe, in dem wir bei einem leckeren Abendessen und noch immer 34 Grad den Abend ausklingen ließen.

03.04.2010: Kambodscha

6. April 2010 | 13:50 Uhr

Mit vollem Gepäck kämpften wir uns die wenigen hundert Meter vom Hotel bis zur Haltestelle unseres Busses. Obwohl es noch nicht mal neun Uhr war, stand uns nach wenigen Metern schon wieder der Schweiß auf der Stirn. Entsprechend freuten wir uns über die Klimaanlage im Bus. Doch die Freude hielt nur kurz an, da der Fahrer (wie eigentlich alle Fahrer in Vietnam) die Temperatur auf “Antarktis” eingestellt hatte und uns recht schnell kalt wurde. Aber auch daran gewöhnten wir uns, so dass wir die Fahrt dennoch angenehm fanden.

Während der letzten Kilometer durch Vietnam, ließen wir die vergangenen Wochen noch mal Revue passieren. Bis auf Kleinigkeiten, z.B. die Versuche Touristen abzuzocken oder deutlich mehr Geld zu verlangen (wir haben es aber immer gemerkt und wenn, dann auch freiwillig mal etwas mehr bezahlt, weil es einfach keine großen Beträge sind), fielen uns nur positive Dinge ein: die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, tolles Essen, schöne Landschaften und der asiatische Lebenswandel. Wir kommen gerne wieder zurück nach Vietnam. Ach, was natürlich noch fantastisch war, der nahezu überall freie Zugang zum Internet. Jedes Hotel, Café, etc. bot hier Zugang über WLAN an. Da könnte sich Europa (Australien und Neuseeland auch) mal eine dicke Scheibe von abschneiden!

Als wir die Grenze zwischen Vietnam und Kambodscha erreichten, profitierten wir vom Service unseres Busunternehmens, das sich um die gesamten Pass-/Visaangelegenheiten kümmerte. Somit mussten wir auch kein Schmiergeld an die kambodschanischen Grenzbeamten entrichten, wie es wohl sonst häufiger von Touristen verlangt wird. Lediglich Melanies Name wurde vom netten Mitarbeiter falsch aufgeschrieben, so dass sie ihr Visum unter dem Vornamen Gebschulte und dem Nachnamen Link ausgestellt bekam. Nach dem entspannten Grenzübertritt und einem kleinen Stopp in einem Restaurant fuhren wir weiter nach Phnom Penh. Während wir auf eine Fähre warteten die uns über den Mekong bringen sollte boten uns tüchtige Straßenhändlerinnen kleine ganze frittierte Vögel an. Wir lehnten dankend ab.

Gegen halb fünf erreichten wir schließlich die Hauptstadt von Kambodscha, schnappten uns einen Tuk Tuk Fahrer und ließen uns zu unserem Hotel fahren. Bereits auf diesem kurzen Weg merkten wir, dass es hier noch heißer als in Vietnam ist, wenn auch nicht ganz so schwül. Etwas gerädert von den siebeneinhalb Stunden im Bus, gönnten wir uns zunächst eine Dusche und streckten unsere Beine noch mal kurz auf dem Bett aus. Zum Abendessen gingen wir in ein kleines Restaurant in der unmittelbaren Umgebung unseres Hotels, wo ich mir ein Amok (Curry) bestellte, welches zuerst gekocht und anschließend noch einmal in einer Kokosnuss gedünstet wird. Lecker!

Nicht viel später führte uns unser Weg zurück ins Hotel, wo wir noch Recherchearbeit für die kommenden Tage erledigten. Während Melanie gegen halb elf ins Land der Träume verschwand, surfte ich noch ein bisschen und fand dann gegen halb zwölf einen halbwegs funktionierenden Livestream, so dass ich das Spiel Köln – Hertha live sehen konnte. Ach, was für eine Wonne: Fußball schauen und dann gewinnt die alte Dame auch noch! Dermaßen froh gestimmt, konnte ich nach Spielende auch wirklich gut einschlafen.

02.04.2010: Der letzte Tag in Vietnam

3. April 2010 | 17:46 Uhr

Ausgerechnet an dem Tag, an dem wir von Phu Quoc verlassen mussten, legte die Regenzeit einen Ruhetag ein…strahlend blauer Himmel und Sonnenschein verabschiedeten uns an diesem Morgen. Nach dem Frühstück tauschten wir noch schnell unsere Telefonnummer mit Kathi und Heiko aus, die ebenfalls heute zurück nach Ho Chi Minh-Stadt fliegen würden und mit denen wir uns am Abend treffen wollten. Mit dem Taxi ging es zum Flughafen und von dort aus wieder mit einer kleinen Propellermaschine zurück nach HCMS. Da wir bei unserem letzten Aufenthalt in HCMS mit unserem Hotel zufrieden waren, hatten wir auch dieses Mal ein Zimmer dort reserviert und wurden von einem Fahrer direkt am Flughafen abgeholt.

Am Hotel angekommen, luden wir nur kurz unser Gepäck ab und machten uns gleich wieder auf den Weg, da wir für den nächsten Tag noch unsere Weiterreise nach Kambodscha organisieren mussten. Das von uns favorisierte Reisebüro war schnell gefunden und wir buchten zwei Bustickets nach Phnom Penh. Nachdem das Wichtigste erledigt war, machten wir uns auf die Suche nach neuen Flip Flops, die meine durch den Teer ruinierten und Fabians zerstörten Flip Flops ersetzten sollten. Ich wurde gleich im ersten Laden fündig, während sich die Suche für Fabian etwas schwieriger gestaltete. Im Land der kleinen Vietnamesen ist man als Westeuropäer mit Schuhgröße 44 eine seltene Spezies, so dass wir in den ersten Läden entweder nur ein Kopfschütteln ernteten oder aber man versuchte Fabian dazu zu überreden, doch mal Schuhe in Größe 40 anzuprobieren. Mit etwas Geduld und Ausdauer fanden wir aber dann doch noch ein passendes Paar.

Danach war etwas Zeit für eine kalte Dusche und etwas Ruhe im Hotelzimmer, bevor wir uns um acht mit Heiko und Kathi trafen. Wir hatten beschlossen einer Empfehlung von Thomas zu folgen, und dem Seventeen Saloon einen Besuch abzustatten. Er hatte uns von der Livemusik vorgeschwärmt und uns versichert, dass es kein Touri-Schuppen sei. Vielmehr seien dort fast ausschließlich Vietnamesen anzutreffen. Vielleicht hätten wir schon stutzig werden müssen, als wir vor der Tür des Saloons von zwei Vietnamesen im Cowboydress inklusive Pistolenholster begrüßt und an einen Tisch geführt wurden, aber eigentlich fanden wir das ja noch ganz lustig. Weniger lustig fanden wir dann schon die Preise der Getränke, die an die Preise in einer deutschen Nobeldiskothek erinnerten. Das war dann aber auch das einzige, was in dem Laden Nobel war. Während Heiko etwas zurückhaltender aber sehr passend anmerkte, dass ihn die Atmosphäre an einen schlechten Russ Meyer-Film erinnert, war ich da weniger zurückhaltend und verpasste dem Laden das Label “Kuppel-Bums-Schuppen”. Neureiche Vietnamesen und schmierige Touristen bestellten bei jungen, halbnackten Vietnamesinnen (den sog. “Biermädchen”) teure Getränke und durften dafür hier und da mal ein bisschen rumgrabbeln oder wurden begrabbelt. Zwei besonders schmierige Exemplare am Nebentisch ließen sich sogar füttern. Allerdings war die Livemusik (eine siebenköpfige Band) wirklich gut und wir waren insbesondere von den Stimmen der beiden Vietnamesinnen sehr begeistert, wobei auch die natürlich halbnackt waren und man die Hotpants der beiden eher als zwei aneinander genähte Flicken bezeichnen konnte. Als die Band eine Pause einlegte, hatten wir definitiv genug und verließen fluchtartig den Laden.

Kopfschüttelnd suchten wir uns eine kleine Garküche am Straßenrand und ließen den Abend auf winzigen Plastikhockern an einem wackeligen Plastiktisch ausklingen…auf vietnamesisch eben!

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